AHMET ORAN Malerei 1995 -1999 | |||||||||||||
In Konfrontation mit ausgewählten Objekten aus Afrika, Indonesien, Ozeanien und Lateinamerika 28. 10. - 5. 12. 1999 | |||||||||||||
![]() |
Ohne Titel 1995 Öl auf Leinwand 180 x 135 cm Ausstellungsausschnitt Ursprung und Moderne |
||||||||||||
Ahmet Oran nimmt in der österreichischen Malerei der neunziger Jahre
eine profilierte, durch Eigenständigkeit und Haltung gekennzeichnete
Position ein. Die von der Neuen Galerie der Stadt Linz gezeigte erste
Museumsausstellung des Malers zeigt eine aktuelle Auswahl meditativer
Gemälde in punktueller Konfrontation mit Kunstwerken Afrikas,
Indonesiens, Ozeaniens und Lateinamerikas. Kurzbiographie: Geboren 1957 in Canakkale, Türkei 1977 - 1980 Studium der Malerei bei Prof. A. Coker an der Akademie der Bildenden Künste, Istanbul 1980 - 1985 Meisterklasse für Malerei, Glasmalerei und Grafik bei Prof. C. Unger an der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien 1985 - 1987 Studium bei Prof. A. Frohner an der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien 1987 Diplom 1995 gewinnt Ahmet Oran den 2. Kunstpreis der Bauholding. Seit 1978 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u.a. 1996 in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn ("Kunst aus Österreich 1896 - 1996") 1997 in der Neuen Galerie der Stadt Linz ("Meisterwerke europäischer Kunst 1947 - 1997") 1998 Galerie feichtner & mizrahi ("Ahmet Oran - Malerei") Bilder als emotionaler Denkanstoß - Ahmet Oran Als Kontrapunkt zu den Neuen Wilden, der postexpressionistischen zeitgenössischen Malerei der achtziger Jahre, hat sich in Österreich ein zweites, beachtlicheres Aktionsfeld der Malerei entwickelt, dessen meditative Grundhaltung zumeist mit grosser Affinität zur Monochromie gepaart ist. Diese Art reiner Malerei, um die es hier geht, ist von hohem Bewußtsein geprägt. Gleiches gilt auch für ihren ästhetischen Anspruch, für das Ausloten dessen, was Farbe vermag. Der Versuch, Malerei über Malerei zu definieren und im Verhältnis zur Geschichte neu zu schaffen, spricht für eine durchaus sinnlich orientierte Arbeitsweise, die Metier und gewähltes Material in ihrer Relativität bewältigt und nicht grenzüberschreitend verlässt. Jeder der hier gemeinten Künstler, ob Herbert Brandl, Erwin Bohatsch, Hubert Scheibl, Rudolf Goessl, Jakob Gasteiger oder Rudi Stanzel orientiert sich an historischen Positionen, kennt die kunstgeschichtlichen Zusammenhänge und Entwicklungsverläufe von Malewitsch, Rothko und Newman bis hin zu Graubner und Rainer, verlässt diese aber auch, um Wagnis und Abenteuer neu zu beginnen und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Einer, der diesen Weg mit Kraft, Ausdauer und Sensibilität geht, ist der in Wien lebende Ahmet Oran. Oran, Jahrgang 1957, stammt aus Canakkale in der Türkei und übersiedelte 1980, nach seinem Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Istanbul, nach Wien. An der Hochschule für angewandte Kunst war zunächst Carl Unger sein Lehrer, das Diplom erwarb Oran 1987 bei Adolf Frohner. Seit rund zehn Jahren ist Oran als freischaffender Maler unterwegs, als Künstler mit Konsequenz, differenziertem Umsetzungsvermögen und Haltung. Der Durchbruch gelang ihm 1995, als er mit dem 2. Preis des Kunstwettbewerbs der Bauholding in Spittal an der Drau ausgezeichnet wurde und kurz darauf erfolgreiche Ausstellungen in Klagenfurt, Wien und Linz verzeichnete. Der jüngste auf 1999 konzentrierte Werkquerschnitt, den die erste Museumsausstellung Orans in der Neuen Galerie der Stadt Linz vermittelt, beweist die Tragfähigkeit eines klug eingeschränkten, seinem Wesen nach jedoch offenen, zwischen Emotion und Intellekt vermittelnden Konzepts. Prinzipien der stringenten, auf Leinwand oder Holz gemalten Bilder von Ahmet Oran, sind die Vielschichtigkeit und Transparenz der Farbe. Der auf diese Weise zustandekommende Dialog zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Bildfaktum und Bildahnung aktiviert den Betrachter zum Mitvollzug einer differenzierten, gegenstandslosen, in ihrer Präsenz jedoch höchst absoluten Malerei. Sie versteht sich dialektisch, als Geschehnis und Denkanstoß, der vom Künstler gesteuert und kontrolliert wird, jedoch dem Material seine ganze Eigenart und Schicksalhaftigkeit belässt. Oran setzt mit seinen ruhigen, in sich ausschwingenden, von innerer Kraft gekennzeichneten Gemälden einen Kontrapunkt zu den flüchtigen, kaum mehr wahrnehmbaren Bildern eines expandierenden Medienverschnitts, zu den Aktionen und Events einer gleichsam rascher ablaufenden Zeit, die sehr oft bloßen Unterhaltungswert vor mögliche Erkenntnis setzt. Seine die Grenzen des gewählten Formats sprengende und zugleich den Bildkörper dreidimensional betonende Malerei markiert - ohne deswegen beim Betrachter allzu bildhafte Analogien und Assoziationen zu bemühen - eine Art von Weltsicht, einen philosophischen Standpunkt. Das kompositorische Kalkül des Künstlers ist genau, präzise abwiegend, zugleich aber offen genug, um daraus für ein Werk im Spannungsfeld von Material und Immaterialität neue Anstöße zu beziehen. Ahmet Oran malt sehr behutsam, bedacht auf Nuancen und feinste Schwingungswerte. Er weiß um die Wichtigkeit der Irritation des Materials, um kleine Brüche und Störungen der Bildfläche, betont jedoch die große, beherrschende Form und damit ein Gegensätze versöhnendes Konzept, das seine Bilder oben aufbricht. Auf diese Weise wird nicht nur Verborgenes, der Vorgang der darunter liegenden Farbschichtungen und Übermalungen sichtbar, sondern auch ein Dialog ausgelöst, der die künstlerische Handhabung der gewählten Materie und die Magie der Farbe zum eigentlichen Thema der Bilder macht. Die alte, immer wieder aktuelle Frage, was Malerei sein kann, wird durch die Gemälde von Ahmet Oran schlüssig beantwortet. Peter Baum |
|||||||||||||
|